Es brodelte im "Nudeltopp"

 
1898-1926

Sie hatte die steilsten Kurven, mit der jemals eine europäische Radrennbahn ausgestattet war, galt als die kleinste Berliner Bahn und wurde wegen ihrer Form "Nudeltopp" genannt. Wie es von 1898 bis 1926 im "Topp brodelte", zeigt ab heute eine Ausstellung im Heimatmuseum.
Einen Deckel hatte der "Nudeltopp" nicht. Denn die Bahn befand sich unter freiem Himmel, direkt am S-Bahnhof Treptow. Und so war es möglich, auch ohne eine der 3 500 Eintrittskarten zu besitzen, das Renn-Geschehen zu verfolgen: Von einem der zahlreichen Bäume aus. So machten es viele Berliner.

Startaufstellung zum Rennen am 18 April 1915 im Treptower "Nudeltopp"

Vor allem an den Wochenenden zog es die Schaulustigen nach Treptow. Obwohl es damals in Berlin noch zehn andere Radrennbahnen gab, hatte der "Nudeltopp" den meisten Zulauf. "Das muß an den steilen Kurven gelegen haben, der Neigungswinkel lag bei 50,5 Grad" erklärt die Leiterin des Heimatmuseums, Barbara Zibler. Dadurch erreichten die Sportler Spitzengeschwindigkeiten bis zu 110 Kilometer pro Stunde. Mindestens 25 Stundenkilometer mußten die Fahrer draufhaben, um nicht aus der Kurve getragen zu werden.
Bereits 1898 wurde am Bahnhof Treptow eine Radrennbahn eröffnet, der Vorgänger vom "Nudeltopp". Mit nur drei kleinen Kurven und einem Untergrund aus Lehm. Ein Jahr später leitete der Baumeister und Rennfahrer Wilhelm Johow die Umgestaltung ein: Eine 312 Meter lange Zementbahn entstand. Von nun an fanden dort wöchentlich Rennen statt. Auch mit internationaler Beteiligung: Die Meisterschaft von Treptow oder der Große Preis von Deutschland wurden ausgetragen. Vor allem zwei Renn-Arten setzten sich durch. Die sogenannten Fliegerrennen, bei denen die Sportler sehr schnell vom Start loskamen. Und die Dauerrennen hinter Motoren, auch Steherrennen genannt. Letztere waren ziemlich gefährlich. Deshalb gab es 1904 eine Anordnung, Sturzhelme zu tragen. Doch Max Bauer, einem Publikumsliebling von damals, nutzte das offensichtlich nichts. Er kam 1915 bei einem Unfall im "Nudeltopp" ums Leben. Auf den weiteren Rennbetrieb hatte das aber keinen Einfluß. 1921 wurden sogar noch zusätzlich zwei Stehtribünen errichtet. Drei Jahre später nahm eine Trainingsschule für Rennfahrer ihren Betrieb auf.

Mitarbeitern der gegenüberliegenden Friedrich-Wilhelm-Victoria-Stiftung war der "Nudeltopp" allerdings ein Dorn im Auge. Sie fühlten sich durch den Lärm der Tausende Besucher gestört. Und so kündigte die Stadt Berlin 1926 den Pachtvertrag für die Rennbahn. Im Winter wurde sie dann abgerissen.
   
Die Treptower Radrennbahn hatte die steilsten Kurven,
die jemals auf einer europäischen Rennbahn gebaut wurde

 

 
   
 
Der "Nudeltopp" befand sich von 1898 bis 1926 am S-Bahnhof Treptow

 

 
   
 
Fritz Bauer einer der erfolgreichsten deutschen Straßenfahrer
fährt 1914 ausschließlich "Continental-Pneumatik"
 
   
 
Heinz Böhm als Vierjähriger mit Mutter und Großeltern nach
einem Besuch im "Casino" in der Radrennbahn "Nudeltop",
anfang der Zwanzigerjahre
 
   
 
Nach der Schließung des "Nudeltopp" wurde das Gelände
weiterhin sportlich genutzt, wie hier für ein Eishockeyspiel
im Winter 1935/36
 
   
Quelle www.heimatmuseum-treptow.de
Förderverein Museum Treptow e.V.
Buch "Johannisthal in Berlin", Autor Bernd Rompf u.a.
Buch "Alt-Treptow", Autorin Helga Pett
Buch "Baumschulenweg/Plänterwald in Berlin", Autor Georg Türke
Buch "Treptows vergangene Pracht", Autor Georg Türke
Wikipedia