Stralauer Fischzug

 
  Der Stralauer Fischzug
Das bekannte Stralauer Volksfest fand am Bartholomäustag (24. August) statt, seit wann ist unbekannt. Seit 1574 war das der Tag, an dem laut Edikt des Kurfürsten Johann Georg die Schonzeit der Fische endete und wieder mit Großgarn gefischt werden dürfte. Das erste Mal erwähnt wurde das Fest 1780. Das Fest, zu dem 1841 50 000 Besucher kamen, eskalierte immer häufiger. Der königliche Hof blieb ihm deshalb seit 1846 fern, und 1873 wurde es verboten.
Nach 1880 wurde es wiederbelebt, jedoch als Fest der Gartenlokale. Gartenlokale gab es viele in Stralau: "Schwanenberg", "Zum Tunnel", "Alte Taverne", "Tübbecke", "Zum Storchennest", "Alter Krug" - um nur einige zu nennen.
Nach Unterbrechungen durch die Weltkriege wurde das Fest 1954-1962 nochmals aufgenommen. Spätere Versuche in einzelnen Jahren nahmen mehr und mehr den Charakter kommerzieller Veranstaltungen und hatten wenig mit dem alten Volksfest gemein.

der letzte Fischzug 1939
Der letzte Fischzug 1939 vor dem Zweiten Weltkrieg
   
Der „Stralauer Fischzug“, ein alljährlich am 24. August, dem Bartholomäustag, begangener Festtag, durch den Stralau berühmt werden sollte, geht auf das Jahr 1574 zurück. In einem Edikt vom 22. Februar 1574 verfügte Kurfürst Johann Georg von Brandenburg ein Verbot des Fischens von Ostern bis Bartholomäus. Wörtlich heißt es im Edikt:

„Wir Wollen, Setzen und Ordnen, dass alle und jegliche Wasser mit großen Garnzügen vom Grünen Donnerstag bis auf Bartholomäi durchaus sollen verschonet werden, damit die Fischerei nicht zu Schaden komme, weil der Laich und die jungen Fische zu Unzeiten gebraucht werden.“

Der Fischzug beging also feierlich das Anfischen nach der jährlichen Schonzeit. An den Fischzug erinnert die Statue des „Stralauer Fischers“ im Fischerbrunnen am Rathaus Treptow, die der Bildhauer Reinhold Felderhoff 1916 geschaffen hat.

Da das jährliche Fest auf dem Friedhof des Dorfes stattfand und jedes Jahr in wüstere Saufgelage, Schlägereien und orgiastische Treiben ausartete, wurde es am 23. August 1873 vom Amtsvorsteher verboten. Nach einem Wiederaufleben 1923 wurde es wenige Jahre später erneut verboten.

 
   
  Der Bartholomäustag war am 23. Februar 1574 vom brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg durch eine Verfügung festgelegt worden. Er bedeutete das Ende der Sommerschonzeit für Fische, die am Gründonnerstag begann. Mit dem tag des "Anfischens" begann die neue Fischfangsesion. Bei dem groben Garnzug, dem gemeinsamen Fang der einheimischen Fischer, wurdn Fischsorten wie Hecht, Barsch, Aal, Wels, Schlei und Karpfen mit einem breitmaschigem Netz aus der Spree gezogen.
Anfänglich als Weihfest der Dorfkirche in ihrem Einweihungsjahr 1464 inszeniert, galt Bartholomäus nun als Schutzpatron von Treptows kleinem Nachbarort. Über den Ursprung des Fischzuges bildeten sich einige Legenden.
Nach dem Besuch des Prinzen August Ferdinand, dem jüngsten Bruder Friedrich II, 1780 in Stralau, ist der Brauch des Festes neu angeregt und danach erst richtig populär geworden. Bis dahin waren es weniger die Berliner denn die Stralauer selbst, die des Tages gedachten. Von nun an jedoch wurde der Barthelemäustag als Referenzerweisung an Stralau und seine Fischer zunehmend als Dankfest der Residänzstädter begangen, für die der Festtag zur großen und turbulenten Belustigungs-und Erlebnisattraktion wurde.


Auch in Treptow wurde der Stralauer Fischzug gefeiert, hier um 1830
Zeichnung von Theodor Hosemann

Auch der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. und Friedrich WilhelmIV. kamen oft und gern auf dem Wasserweg von Postdam nach Stralau und belustigten sich an den Festumzügen. Beben den Königsgeburtstagen entwickelte sich vor den Toren der Stadt das beliebteste aller Volksfeste Berlins. Später wurde es mit dem Münchener Oktoberfest verglichen. Der Philosoph Friedrich Schleiermacher zeigte sich schon nach dem Fischzug 1797 "sehr amüsiert". Den Blick zum gegenüber liegenden Ufer gerichtet, sprach er vom "niedlichen Dörfchen (Treptow) an der Öffnung eines Waldes, dessen Bäume den Glanz des Abendrotes zurückstrahlten und lustige Kähne voll Gesang und Musik den stillen Fluß durchschnitten". Jahr für Jahr vergrößerten sich die Teilnehmerzahlen und die Dimensionen des Festes. Um 1841 waren 50.000 und 1847 etwa 50.000 - 70.000 Berliner auf den Beinen.
Kaffeeschenken und Fischerstuben waren überfüllt.
Ihren lokalen Höhepunkt fanden die Festlichkeiten in einer Zeltstadt auf der großen Vogelwiese, im Volksmund Gemeinheitswiese genannt, zwischen Kirchplatz und dem Schwanenberg an der Spitze der Halbinsel, gegenüber dem Schilfbruch bei Treptow. Rummelplätze flankierten die Dorfstraße. "Berlins heißester Rummel" bot eine Vielzahl von Jahrmarktsveranstaltungen und Vergnügungsplätzen mit allerlei Kuriositäten an. Mit dem Festbeginn um 5 Uhr morgens setzten mehrere Festkähne mit Musikanten und Fischernetzen von Stralau nach Treptow über und brachten auf der Rückfahrt in Höhe der Kirche und dem Lokal Tübbecke ihren Fang ein.
Nach 1780 hatte mann auch in Treptow begonnen, den Fischerzug mitzufeiern. Hier waren es das städtische Gasthaus und dessen Festplatz mit den nahen Wiesen sowie die ersten Kolonistenfamilien, die sich an dem Geschehen beteiligten. Später versorgten die privaten Wirtshäuser und Srehbierhallen die Teilnehmer mit Kaffee, Bier, Speisen und Unterhaltung. Mit girlanden- und wimpelgeschmückten Gondeln, Ruderkähnen sowie regulären Fährschiffen setzten die Gäste über. Auf dem Wasser herschte ei lustiges Treiben. " uf die Spree konnte keen Appel zur Erde vor later Schiffe", urteilte ein Zeitgenosse. Man sang aus Leibesgräften zu allerlei Instrumenten die gängigen Gasenhauer. Blumensträuße flogen von Bord zu Bord. Gefeiert wurde auf allern Seiten.


August 1932 Stralauer Fischzug unter Reichsflaggen 30er

"Von Treptow aus, jenseits der Spree gesehen," teilt uns Rumpf 1826 mit "gwährt das stete hin und her Wogen der Masse auf der Halbinsel und den ausgeschmückten Kondeln auf dem Wasser einen belustigten Anblick":
Diesen Eindruck bestärkte noch der bekannte Vormärzpublizist und Quellenlieferant für die Berliner Tagespresse, Karl August Varnhagen von Ense, indem er das Volksfest zwischen Stralau und Treptow mit der Arbeit an einem webstuhl verglich, "wo immer kreutz und quer Damast gewebt wird". "Nachts sah Stralau aus wie eine Weihnachtsbescherung", fügte der humoristische-satirische Schriftsteller und Journalistdes Vormärz Adolf Glaßbrenner (1810-1876) mit dem Blick vom anderen Ufer hinzu und bemerkte über seinen Aufenthaltsort: "Vor dem schönen Gasthaus in Treptow ist das Gewühl, des engeren Raumes wegen, noch dichter und drückender. Das Volk hält sich hier weniger auf, sondern drängte sich durch den Garten nach dem nahen Wäldchen zu munterem Spiel und Tanz, zu Liebeslust und Prügel".
 
   
  Auf dem wasser schwammen Tausende von Lichtern und spiegelten sich in der Flut. "Alleweile nach Stralow! Alleweile nach Treptow!" tönte das unablässige und geflügelte Wort der Schiffer. Schließlich bringt es das kleine gedicht eines Zeitgenössischen Beobachter aber schon 1833 auf den Punkt, Wohin die Reise auf beiden Seiten noch gehen solte. Es heißt da über Treptow:

  "Auch hier ein Markt errichtet?
Auch hier ein Mensch voll?
Hier ist es so wie drüben,
Ich meine, voll und toll.

Mann isst und trinkt und tobet,
Mann schimpft und prügelt sich,
Der tadelt, Jener lobet,
Und der lacht innerlich"
 

Der Fischzug mit seinen "Volksbewegungen" war über den unmittelbaren Austragungsort hinaus insbesondere für Treptow und Rummelsburg außerordentlich bedeutsam, weil beide Gemeinden davon nutzen zogen. Der Weg aus der Stadt hinaus zu den kleinen Wirtshauskolonien in Stralau sowie den im Laufe der Zeit immer größer werdenden Wasserlokalen Treptows entwickelte sich ebenfalls zur Festmeile.
Zu den negativen Entwicklungen gehöhrte die sich seit etwa 1824 mehrende zügellose Ausgelassenheit der Teilnehmer mit entsprechenden Exsessen. Ein Chronist berichtete seinerzeit in Bezug auf Alkoholmissbrauch, Beschädigungen, Raufereien und Skandale: "Der Pöbel erging sich, und ergeht sich dabei in abschreckender Roheit, und am Abend kehrte die ganze Bande betrunken zurück", und in Versform fügte er hinzu:

  "Wie in Stralow, so in Treptow,
Prügeln, spielen, saufen;
Wie in Treptow, so in Stralpw,
Singen, essen, laufen,
Kaufen und Verkaufen! "
 

"Soldaten, Handwerker, Dienstmädchen, Straßenjungen, liederliche Frauenzimmer, die Hefe des Volkes, bildeten das Hauptpublikum", so, ein weiterer Berichterstatter im Jahr 1831. Die letzten Festgäste aus Stralau und Treptow kehrten im Morgengrauen in die Stadt zurück.
Im Alltag galt die alte Spreebudike als Vorläuferin des vornehmen Magistratsgasthauses jedoch eher als Stammlokal der einfachen Fischer, die dort ihren Feierabend verbrachten. Die Entwicklung dieses um 1800 noch bescheidenen anmutenden Gastbetriebes hin zum Ton angebenden Haus der Treptower Ausflugsgastronomie ist im Link Gasthaus Zenner nachzulesen.
Etwa 1870 erfuhr das Fest dann seinen [vorläufigen] Niedergang, indem es fast unbemerkt - einschlief. Die Krawalle, Unfälle und sogar Politischen Manifestationen hatten mittlerweile überhand genommen, sodass der Gemeinderat in einem Schreiben vom
23. Juli 1873 an den Berliner Polizeipräsidenten forderte, das Fest zu untersagen. 1892 gab es ein neues Verbot, während fünf Jahre später ein Wiederbelebungsversuch mit Erfolg stattfand, der die Veranstalter bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges durchhalten ließ. Ähnlich ging es in den folgenden Jahrzenten weiter.
1937 hatte mann die an der Spreegelegene Festwiese im Treptower Park für den Fischzug höhergelegt und damit die bis dahin dort bei starken Regen auftretenden Überschwemmungen beseitigt. Vom steten Niedergang des Volksfestes, das in seinen besten Zeiten mit dem Oktoberfest in München vergliechen wurde, blieb aber auch Treptow nicht unberührt.
Als Referenz an die Mühen der Stralauer Fischer schuf Bildhauer Reinhold Felderhoff (1865-1919) einen Brunnenfigur, die nach seinem Tod 1925 auf dem sich an das Rathaus Treptow anschließende Areal zur Parkstraße hin aufgestellt wurde und sich noch heute dort befindet. Die Überlebensgroße athletische Aktfigur aus Marmor zeigt einen Fischer, der ein Netz emporzieht. Die Arbeit Felderhoffs war ein Geschenk der Staatsregierung an die Gemeinde Treptow.
 
   
 

2 Gedichte

Der Stralauer Fischzug

Auf, lasset uns nach Stralau gehn!
Man kann dort mit Vergnugen sehn
Sehr viele Gegenstände
Von Anfang bis zu Ende.

Potz alle Welt! Seht nur einmal
So viele Tausend an der Zahl,
Die kommen angelaufen,
Und das in ganzen Haufen.

Zu Fuß kann man durch Bemühn
Kaum durch die lange Gasse ziehn,
Versperrt durch Krüppel, Lahmen,
Die angezogen kamen.

Große Herren, galante Stutzer,
Geizhälse und auch Schuhputzer,
Kammerjungfern, schöne Kinder,
Lumpenpack und Besenbinder.

Handwerksbursche und Soldaten,
Auch verdorbne Advokaten,
Titular-Sekretäre,
Auch verdorbne Feldscheere.

Schöne Jungfern,
Junggesellen,
Stille Köpfe und Rebellen,
Junge Väter und Großpapa,
Sehr geplagt vom Podagra.

Kupplerinnen und Koketten,
Die dort werben durch Stafetten,
Damen, zart und schön von Wuchs,
Und mit Augen gleich dem Luchs.

Der Stralauer Fischzug, im Jahre 1806

Hoch will ich den König preisen,
Der bei seines Volkes Rufen
Steigt herab des Thrones Stufen,
Frohen freundlich sich will zeigen,
Wie die Sonn' aus Wolken bricht,
Jedem strahlt und wärmt ihr Licht.

Ja der König ist der unsre,
Den wir in der Freude denken,
Der im Schrecken uns will lenken,
Wenn wir beten »Vater unser.«
Heut noch sagt, es geht in Ruh,
Morgen schließt die Thore zu.

Blaue Gondeln, rothe Wimpel
Blinken, zittern in der Spree,
Kinder wie gejagte Reh'
Springen drauf in dem Gewimmel,
Vater, Mutter müssen nach,
Treten unter's blaue Dach.

Wein und Kuchen füllt den Himmel
Heut die Kinder es vergessen,
Nehmen's Ruder ganz vermessen,
Niederdrücken's mit Getümmel,
Und die Eltern schelten, lachen:
Kinder, so müßt ihr's nicht machen.

Laßt das Schwanken in dem Kahne,
Macht uns nichts als Angst und Schrecken!
Sagt die Mutter, und die Kinder
Thun ganz ernstlich, und gelinder:
Wie ihr schmutzig, muß mich schämen,
Niemals wieder euch mitnehmen.

Nun die wohlgeübten Schiffer
Schlagen schnell und gleich die Ruder,
Jagen wettend vor dem Bruder,
Und die Kähne segeln schiefer,
Mutter drückt sich an so dicht,
Fische springen silberlicht.

Eine Schlüsselbüchse brennet
Heimlich los der ältste Knabe,
Alle sich erzürnet haben,
Weil sie das Verbot wohl kennen.
Doch der eine Knabe meint,
Das sei Übung, käm' der Feind.

König ward ich in dem Schießen,
Sagt der Vater, nach dem Feinde
Schieße ich und meine Freunde.
Durch die Mauer bis sie grüßen.
Mutter sagt: Wenn still er hält,
Schießt du wie ein großer Held.

»Doch viel Unglück ist geschehen,
Kinder, ihr könnt ruhig sitzen.«
Nun mit den Hollunderspritzen
Lassen sich dir Kinder sehen,
Angeln auch und fangen nichts
An dem Regenwurm gebrichts.

Bunte Häuschen, grün umzogen
Und bedeckt mit Sonnenschirmen
Sich im Kranz am See aufthürmen,
Wo der Fluß hindurchgezogen,
Deckel klappen in den Krug,
Jubel überall genug.

Fern im See der Kirchthurm ruhet
Wie ein Leuchtthurm der Gedanken,
Rings der Menschen Ströme wanken,
Und der Strom des Wassers ruhet,
Netzes Bogen schwimmt darauf,
Ohne Farben doch Glück' auf!

Fischer in zwei bunten Nachen
Ziehn das Netz, die Menge gaffet;
Doch das Fischen gar nichts schaffet,
Was sie auch für Lärmen machen.
Alle Fische springen fort,
Die bespricht kein fluchend Wort.

Seht, ein Nachen kommt in Eile,
Über dem ein Adler schwebet,
Neben dem ein Schwan sich hebet;
Rauschend sich die Wellen theilen,
Und ein Singen hell und klar
Steiget aus den Tiefen gar.

Schaut, der Adler setzt die Krone
Spielend auf des Schwanes Scheitel,
Und der Schwan ist himmlisch eitel,
Brüstet sich so schön zum Lohn,
Jede Feder schwillt in Lust
An der hochgeschwungnen Brust.

Schaut wie sich die Netze füllen,
Daß die Fischer kaum sie ziehen,
Fisch vergessen zu entfliehen,
Und die Menge will sich stillen,
Ja ein Wunder stets geschieht,
Wo ein Volk in Liebe glüht.

Jeder athmet stolzer wieder,
Wenn er hört vom fremden Munde,
Auf dem ganzen Erdenrunde
Ist kein König also bieder,
Selbst aus diesem Wellenschaum
Steigt die Kön'gin wie ein Traum.

Schöner Traum, der zu uns wallet,
Zu des armen Volkes Feste
Kommt die Schönste und die Beste,
Ihr ein Lebehoch erschallet.
Bleibt in unsrer Mitte Beid,
Kühne Jugend zieh zum Streit.

Schönheit ist's, die uns bezwungen,
Muth, der uns befreiet wieder.
König sieh, wir fallen nieder,
Huld'gen dir von Treu durchdrungen,
Dieser Schwur macht frisch und jung,
Da er aus der Seele drung.

Wie sich jetzt die Stadt uns zeiget,
Lieb ist uns der sichre Boden,
In dem ruhen unsre Todten,
Flamme steiget, Sonn' sich neiget,
Unsre Liebe brennt so hell,
Holt den Teufel aus der Höll'.

Hört den Antichrist erschallen,
Dessen Pfeife viele tanzen,
Die Gerechten stehn im Ganzen,
Wollen siegen oder fallen,
Wie die Schlange giftig beißt,
Treue Liebe sie zerreißt.

König, bleibt bei uns so sicher,
Vor dir her ziehn wir so tüchtig,
Werden wir den Feind ansichtig,
Denken wir an Stralau's Fischer,
Unser Netz das füllt sich gleich,
Lebe hoch, du deutsches Reich!

Hell aus den azurnen Wellen
Heben sich die Stern' im Bunde,
So die Fürsten in der Runde
Werden sich zu dir gesellen,
Dunkel scheinet Thurm und Haus,
Dennoch sind wir ohne Graus.

Kinderspiel ist nicht im Kriege,
Kinder setzet euch nun alle,
Wasser hat doch keine Balken,
Daß euch keine Nix' ankriege,
Seht, da winkte eine klar,
Perlen kämmt sie aus dem Haar.

Kinder, ja nicht zu ihr dränget,
Perlen deuten ja auf Thränen
Ja die Hand nicht aus dem Kahne
In dem kühlen Wasser hänget,
Lieblich schläfert sie euch ein,
Reißt euch in den Fluß hinein.

Mutter, laß doch solche Lügen!
Sagt der Vater mit Verstande,
Nicht zum Guten, nur zur Schande
Können wir uns hier betrügen,
Unart, lästger Übermuth,
Laßt ihr, oder's thut nicht gut.

Wenn ich müßig, mag ich hören
Am Kamin dergleichen Wunder
Heller wird mir's da und munter,
Nur mit Küssen möcht' ich stören,
Auf dem Wasser ist Gefahr,
Also sag' es offenbar.

In dem Handeln sei die Klarheit,
In der Ruhe Ahndungsbilder.
So nur wird das Leben milder,
Und uns führet reine Wahrheit,
Jetzt ist alles voller Schein,
Was ist schlecht und was ist rein?

Scheinbar der Soldaten Taschen,
Scheinbar die verschnittnen Kleider,
Die Gewehre schießen leider
Gar sehr schlecht wenn gleich sehr raschen!
Kriegslust giebt es wohl beim Trunk,
Guter Wille macht nicht jung.

Soll uns Unglück überkommen,
Laß es, Gott, uns wohlbestehen,
Fest wie Sterne droben stehen,
Wie wir sanft nach Haus geschwommen,
Also thut im Unglück recht,
Unglück macht oft Menschen schlecht.

 
   
Quelle www.heimatmuseum-treptow.de
Förderverein Museum Treptow e.V.
Buch "Johannisthal in Berlin", Autor Bernd Rompf u.a.
Buch "Alt-Treptow", Autorin Helga Pett
Buch "Baumschulenweg/Plänterwald in Berlin", Autor Georg Türke
Buch "Treptows vergangene Pracht", Autor Georg Türke
Wikipedia